Hamburg empfängt 5 – Das Kontorhaus Stubbenhuk

Treppauf Treppab im Kontorhaus Stubbenhuk

Das letzte seiner Art – zumindest für meinen Blog im Januar 2021 ist das Treppenhaus des Kontorhauses Stubbenhuk der ehemaligen „Getreideheber-Gesellschaft“(Die GHG betrieb im Hamburger Hafen Schwimmheber, um Getreide von See- auf Binnenschiffe umzuladen). Dieses Eckgebäude nach den Entwürfen des Architekten W. Lemm wurde 1925 fertiggestellt und vereint verschiedene Architekturstile in sich. Im Krieg fast unbeschädigt steht das Kontorhaus heute etwas im Schatten eines eher futuristischen Gebäudes und wirkt somit wie ein verklinkerter Solitär aus vergangenen Zeiten.

Die Klinkerschmuckfassade lässt die Skelettkonstruktion erkennen, spiegelt die Bauweise von vor dem ersten Weltkrieg wieder und ist doch auch vom Chilehaus inspiriert. Tritt man durch die Eingangstür, über der ein Oberlicht mit einem Glasgemälde von Paul Wrode prangt, trifft man auf die marmorne Treppe und spürt sofort den Charme und die Eleganz eines Kontorhauses.

Auch die großzügige Treppenhalle strahlt Biederkeit aus: die Wände mit Muschelkalk verkleidet und mit Holz vertäfelt, die Stufen mit Linoleum belegt, die Etagen mit Mosaikfliesen ausgestattet und das hölzerne Geländer mit kunstvollen Schnitzereien verziert. So wechseln sich gedrechselte Staketen (vertikale Geländerstäbe) mit einem stilisierten Rankwerk ab. Dies symbolisiert auch eine Hinwendung zum Heimatstil.

Sie stehen als Zeichen der Vergangenheit in einem Spannungsverhältnis mit den geschwungenen, auf Stilelemente der klassischen Moderne verweisenden Blockstufen am untersten Treppenantritt. Die dreiläufige Treppe führt um ein quadratisches Auge herum hinauf und bietet an jeder Etage einen Antrittspfosten, was den Treppenlauf rhythmisiert.

Von der Speicherstadt aus einen kleinen Abstecher ins Kontorhaus Stubbenhuk machen und auf jeden Fall nach oben gehen.

Mein Tipp

Wie gern würde ich Sie als zertifizierte Gästeführerin durch die Hansestadt führen, einen Stadtrundgang oder eine Treppenhaustour machen, doch das ist uns zurzeit nicht vergönnt. Neu im Programm sind meine Online-Touren, auf die ich Sie ganz bequem von zu Haus aus mitnehme! Gern können Sie mich kontaktieren, um eine Stadtführung später dieses Jahr oder einen Online-Rundgang zu organisieren. Ich freue mich auf Ihre Ideen oder Sie schauen einfach unter Hamburgtouren, welche Stadtbesichtigung Ihren Geschmack trifft.

Klinker

In Norddeutschland und auch gerade in Hamburg begegnen uns „Ziegelsteine“ fast an jeder Ecke. Sie prägen das Bild unserer und vieler anderer Hansestädte. Häufig kommt es dann zur Verwechslung zwischen „Backstein“ und „Klinker“. Beides sind „Ziegelsteine“, doch ist Ihnen vielleicht schon einmal aufgefallen, dass es porösere und solidere Ziegel – also Mauerziegel gibt. Klinker bestehen zum Beispiel aus Schamotten oder Feldspäten und werden bei zwischen 1.100°C und 1.300°C so heiß gebrannt, dass der Sinterprozess die Poren verschließt (gewöhnlicher Backstein wird bei ca. 800°C – 900°C gebacken. Somit sind Klinker sehr widerstandsfähig, da sie kaum Wasser aufnehmen, dass bei Temperaturen unter dem Nullpunkt zu Sprengungen und im Allgemeinen zu Verwitterung führen könnte. Je nach Zusammensetzung der Rohmasse, können im Klinker unterschiedliche Farbtöne erzielt werden. Man vermutet, dass der Name „Klinker“ von dem Geräusch kommt, das entsteht, wenn man zwei dieser Ziegel zusammenschlägt. Wer sich für weitere Einzelheiten interessiert: natürlich gibt es in Deutschland auch eine Norm für Klinker: DIN 105.

Treppenhäuser und ihre Funktion(en)

Treppenhäuser sind und waren nicht nur zweckgebundene Gebäudeteile zum Hinauf- und Hinabsteigen, sondern stell(t)en viel mehr Orte der Kommunikation und Repräsentation dar. Auf der Suche nach beeindruckenden und wunderschönen Treppenhäusern stellen sich heutzutage allzu häufig Hindernisse wie Reklameschilder, vollgestellte Schaufensterscheiben und Ladentüren in den Weg. Jedoch lohnt es sich, einmal genauer hinzusehen!

Viele der Hamburger Treppenhäuser vor allem in den Kontorhäusern lassen heute nichts von ihrer ehemaligen Schönheit und ihrem Dekor vermissen. Obwohl der Bau eines Treppenhauses immer einen Kompromiss bedeutet zwischen Ästhetik und Ökonomie sowie zwischen den Wünschen der Bauherren und den Ansprüchen der Architekten, findet man in Hamburg vielleicht durch die Repräsentationslust der Hamburger Kaufmänner beeinflusst, Treppenhäuser, die Empfangssälen gleichen. Gleichzeitig jedoch dient ihr repräsentativ-machtvolles Äußeres dem Verstecken von allem, was dem Funktionieren entspricht. Dekorationen wie geschnitzte, gemeißelte oder gegossene Pflanzen, Blüten und Masken aus Holz, Stein oder Bronze, Bögen, filigrane Gitter, Marmor oder Granit lenken von den Funktionen des Hauses ab.

Entrees, Foyers und Treppenhäuser sind Repräsentationsräume. Sie stellen die Verbindung zwischen der öffentlichen Straße und dem halböffentlichen Gebäude her, sind nicht mehr außen, aber auch noch nicht innen. Treppenräume haben also nicht nur die funktionale Aufgabe, verschiedene Ebenen innerhalb des Hauses zu überwinden, sie vermitteln, sie haben eine kommunikative Aufgabe als Orte der Begegnung, als Symbol für Bewegung.

„Hamburger Treppenhäuser“ von Allenstein und Pasdzior

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Ich freue mich auf sie