post-title Hamburg empfängt 3 – Das Hübner-Haus

Hamburg empfängt 3 – Das Hübner-Haus

Hamburg empfängt 3 – Das Hübner-Haus

Treppauf – Treppab im Hübner-Haus

Definitiv einen Abstecher wert ist das Hübner-Haus Ecke Neuer Wall/Poststraße in Hamburg, beherbergt es doch ein Mini-Museum des ehemaligen Café Hübner, einem Café, das zwischen 1884 und 1961 gezielt auch die Damen der feinen Hamburger Gesellschaft ansprach. Bei seiner Eröffnung eine kleine Revolution! Das 1908 errichtete Sandsteingebäude, dessen abgerundete Ecke sich elegant in das städtebauliche Umfeld einfügt, ist eines der Werke des selbstständigen Architekten Henry Grell. Sein bekanntestes Werk ist wohl das Hulbe-Haus, Mönckebergstraße.

Die enggereihten Stützen der Fassade des Hübner-Hauses lassen die Skelettbauweise erahnen und binden die Pfeiler als Dekorationselemente mit ein. Da das Kupferdach für den Betrachter zu weit entfernt ist und die Schaufensterfronten modernisiert wurden, haben sie jedoch einiges an Ästhetik verloren – ebenso wie die flachgewölbten Bay-Windows und die bescheidenen Gestaltungen auf den waagerechten Brüstungsbändern.

Betritt man die Eingangshalle durch die bronzene Tür, kann man die ursprüngliche Eleganz noch erkennen: Gold-blaue Mosaiken, beeinflusst vom Wieder Sezessionsstil blitzen, schwarze Fliesenornamente gliedern die Treppenhalle, große, dekorativ gerahmte Fenster lassen Licht herein und mit Detailfreude gestaltete, geometrische Treppenstützen begleiten die quadratisch gewendelte Marmortreppe hinauf. Mit der Pförtnerkabine ist das Hübner-Haus ein Prachtstück für den hanseatischen Kaufmann.

TIPP: Die Pause beim Shoppen im Hanseviertel mal für das Hübner-Haus nutzen.

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Café Hübner

Am 8. Juli 1884 ließ Christian Georg Adolph Hübner seine Firma Georg Hübner in das Handelsregister eintragen und eröffnete in Hamburg damit eine kleine Revolution. Zusammen mit seiner Frau Mathilde schuf er in dem fünfgeschossigen Vorgängerbau an der Ecke Poststraße/NeuerWall mit seiner klassizistischen Fassade ein distinguiertes, gepflegtes Café, das vor allem auch den Damen der feinen Hamburger Gesellschaft offenstand und eine eigene Konditorei besaß.

Bis dato galt es im damalig konservativen Hamburg als unschicklich, dass sich Frauen ohne die Begleitung ihrer Herren in der Öffentlichkeit vergnügten. Hier im Café Hübner, das Sorbets, Kuchen und Torten selbst herstellte, konnten die Damen ungeniert einen Kaffee, eine Schokolade oder einen Tee zu sich nehmen. Doch nicht nur Hamburger erreichte der gute Ruf des Cafés: auch der Leibkoch des Kaisers bestellte im Hübner für die Kieler Woche. Das aktuelle, viel bestaunte Gebäude entstand 1908, nachdem Georg Hübner jr., der Sohn der Gründer, das Nachbargrundstück in der Poststraße hinzugekauft hatte. Bis heute weist das Gebäude kaum Veränderungen auf.

Die Revolution und Inflation, die dem Ersten Weltkrieg folgten, hielten viele Stammgäste ab. Die Einrichtung, die 1933 in den oberen Räumen, eingebaut wurde, waren bis zur Schließung des Cafés 1961 in Benutzung: Sie sorgte durch Nussbaum- und Mahagoni-Holz, indirekte Beleuchtung und viel Stoff für eine angenehme Atmosphäre. Neben dem Damensalon entstand auch ein Rauchsalon für 150 Gäste.

Die funktionierende Wasserpumpe des Cafés sowie die warmen Mahlzeiten, die Chefin Hanna Kirch an die Menschen verteilte, sorgten dafür, dass während des Zweiten Weltkriegs weiterhin Menschen ins Hübner kamen.

Am Tag nach der Währungsreform 1948 war auf wundersame Art und Weise plötzlich wieder alles möglich: Das Café Hübner bot wieder die süßesten Versuchungen in Form von Kuchen, Torten und anderen Leckereien an und der Mokkaduft lockte Gäste an. Viele Hamburger freuten sich, sich im „Hübner“ temporär niederzulassen und den Alltag zu vergessen.

Nach der Schließung des Cafés 1961 blieben Reste des Inventars in Familienbesitz und Jörg Hübner, ein Ururenkel des Gründers, hatte die Idee, sie für eine Erinnerung an die bewegte Geschichte des Cafés Hübner zu nutzen. Seinen Plan konnte er aufgrund seines Unfalltods 2003 nicht ausführen. Die seit 2005 im Hübner-Haus durch Angehörige und Freunde errichtete Vitrine erinnert an die guten, alten Zeiten des klassischen Cafés.

 

Architekt Henry Grell

George Henry Paul Grell war 1870 in Hamburg geboren worden und arbeitete ebendort seit 1898 als Architekt. Neben den hier genannten Häusern Hulbe-Haus und Hübner-Haus entwarf er unter anderem mehrere Villen in Harvestehude, Landhäuser in Eppendorf und Wohnblöcke in Winterhude. Er war Mitglied der „Fassadenkommission Mönckebergstraße“ (der späteren Baupflegekommission), Mitglied des Vorstands der Patriotischen Gesellschaft und des Kunstvereins sowie Mitbegründer des Ortsvereins Bund deutscher Architekten. Das Hamburger Fremdenblatt ließ 1930 verlauten, dass „nach Umfang und besonders nach dem baukünsterlischen Wert seiner bisherigen Lebensarbeit Henry Grell in allererster Reihe der Hamburger Architekten“ stehe.

 

Treppenhäuser und ihre Funktion(en)

Treppenhäuser sind und waren nicht nur zweckgebundene Gebäudeteile zum Hinauf- und Hinabsteigen, sondern stell(t)en viel mehr Orte der Kommunikation und Repräsentation dar. Auf der Suche nach beeindruckenden und wunderschönen Treppenhäusern stellen sich heutzutage allzu häufig Hindernisse wie Reklameschilder, vollgestellte Schaufensterscheiben und Ladentüren in den Weg. Jedoch lohnt es sich, einmal genauer hinzusehen!

Viele der Hamburger Treppenhäuser vor allem in den Kontorhäusern lassen heute nichts von ihrer ehemaligen Schönheit und ihrem Dekor vermissen. Obwohl der Bau eines Treppenhauses immer einen Kompromiss bedeutet zwischen Ästhetik und Ökonomie sowie zwischen den Wünschen der Bauherren und den Ansprüchen der Architekten, findet man in Hamburg vielleicht durch die Repräsentationslust der Hamburger Kaufmänner beeinflusst, Treppenhäuser, die Empfangssälen gleichen. Gleichzeitig jedoch dient ihr repräsentativ-machtvolles Äußeres dem Verstecken von allem, was dem Funktionieren entspricht. Dekorationen wie geschnitzte, gemeißelte oder gegossene Pflanzen, Blüten und Masken aus Holz, Stein oder Bronze, Bögen, filigrane Gitter, Marmor oder Granit lenken von den Funktionen des Hauses ab.

Entrees, Foyers und Treppenhäuser sind Repräsentationsräume. Sie stellen die Verbindung zwischen der öffentlichen Straße und dem halböffentlichen Gebäude her, sind nicht mehr außen, aber auch noch nicht innen. Treppenräume haben also nicht nur die funktionale Aufgabe, verschiedene Ebenen innerhalb des Hauses zu überwinden, sie vermitteln, sie haben eine kommunikative Aufgabe als Orte der Begegnung, als Symbol für Bewegung.“ (aus „Hamburger Treppenhäuser“ von Allenstein und Pasdzior)

TIPP: Leihen Sie sich das Buch aus den Hamburger Bücherhallen aus, lesen Sie und bewundern Sie die Bilder! Es gibt viel zu entdecken! Oder machen Sie eine Tour mit mir!

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